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Was bedeutet die Verschiebung von IReF auf 2029 konkret? Handlungsempfehlungen für eine reibungslose Umsetzung

NEWS 01/2025

Die EZB hat am 04.12.2024 die aktualisierte Zeitplanung für das Integrated Reporting Framework (IReF) veröffentlicht. In der neuen Zeitplanung der EZB wurden die Rückmel¬dungen des Bankensektors berücksichtigt, sodass mit dem neuen Zeithorizont eine reibungslose Umsetzung sichergestellt wird.
17.04.25
Meldewesen
Was bedeutet die Verschiebung von IReF auf 2029 konkret? Handlungsempfehlungen für eine reibungslose Umsetzung

Einführung

Die EZB hat am 04.12.2024 die aktualisierte Zeitplanung für das Integrated Reporting Framework (IReF) veröffentlicht.

Ziel des IReF ist es, die statistischen Meldungen der Banken im Euroraum zu vereinheitlichen, den Meldeaufwand zu verringern und die Qualität der für politische Entscheidungsträger und Analysten zur Verfügung stehenden Daten zu verbessern.

IReF ist zum einen eines der wichtigsten Vorhaben der EZB für eine Neuausrichtung des statistischen Melde­wesens. Gleichzeitig wird mit IReF auch ein Paradigmen­wechsel hin zu einem granularen Reporting von Melde­daten eingeläutet. Weiterhin ist IReF der erste Schritt zur weiteren Harmonisierung der Meldung statistischer, bankenaufsichtsrechtlicher Daten und Abwicklungsdaten.

In der neuen Zeitplanung der EZB wurden die Rückmel­dungen des Bankensektors berücksichtigt, sodass mit dem neuen Zeithorizont eine reibungslose Umsetzung sichergestellt wird.

Der aktualisierte Zeitplan für IReF

Seit Mitte 2023 befindet sich das Eurosystem zum Thema IReF in einer umfangreichen Untersuchungsphase. Als eines der Ergebnisse dieser Untersuchungsphase wird die EZB Ende 2025 einen detaillierten Implementierungs­plan für IReF veröffentlichen.

Dieser Plan berücksichtigt genügend Vorlaufzeit für die meldepflichtigen Banken und das Eurosystem, um die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen bereitzustellen.

Der Beginn der Meldungen im Rahmen des IReF ist nun für das 4. Quartal 2029 vorgesehen. Vor dem Berichtsbe­ginn wird es im Vorfeld eine einjährige Pilotphase geben, die voraussichtlich Ende 2028 beginnt.

Diese Pilotphase soll dazu dienen, den Übergang und die technischen Vorbereitungen sowohl für den Bankensektor als auch für die Aufsichtsbehörden einfacher und effizienter zu gestalten (Abbildung 1).

Zwar wurde der Berichtsbeginn von IReF jetzt um fast zwei Jahre auf Ende 2029 verschoben. Bei genauerer Betrach­tung der neuen Timeline wird aber deutlich, dass die Sys­teme und Prozesse bei den Banken bereits zum Start der Pilotphase Ende 2028 „IReF-ready“ sein sollten.

Nur dann bleibt ausreichend Zeit, um sich während der Pilotphase darauf zu fokussieren, die Lücken für die reibungslose Be­richterstattung von IReF zu identifizieren und zu schließen.

Die Herausforderungen durch IReF

IReF erfordert eine umfassende Anpassung der bankinter­nen Systeme und Prozesse und wird Auswirkungen auf viele Bereiche der Gesamtbank haben.

Entscheidend für eine reibungslose Umsetzung ist das Verständnis dafür, worin die zentralen Herausforderungen bestehen und welche Handlungsfelder und Maßnahmen erforderlich sind, um IReF erfolgreich umzusetzen. Dabei ist es wichtig, nicht nur IReF im Blick zu haben, sondern bereits jetzt die IT-Systeme, Prozesse und Organisation strategisch auf das europäische Integrierte Reporting System (IRS) auszurichten.

Wir sehen folgende zentrale Herausforderungen, die für eine erfolgreiche Umsetzung von IReF gelöst werden müssen.

Einheitliches und umfassendes Datenmodell

Das Reporting muss künftig auf einem gemeinsa­men Datenmodell erfolgen. Es muss kompatibel zu BIRD sein und alle Informationen für die statisti­schen und aufsichtsrechtlichen Meldungen und die Daten für die Abwicklung umfassen.

Koexistenz

Templatebasiertes und granulares Meldewesen müssen friktionsfrei und effizient zusammen funktionieren. IRS muss bereits im Lösungsansatz berücksichtigt sein.

Datenqualität

Datenqualitätsprüfungen und geeignete Korrektur­möglichkeiten müssen sicherstellen, dass die Daten­qualität zu einem möglichst frühen Zeitpunkt in der Prozesskette erzeugt wird. Manuelle Korrekturen am Ende der Prozesskette werden künftig nicht mehr möglich sein.

Performance

Die hohen Datenvolumina für das granulare Melde­wesen müssen in allen Prozessschritten performant verarbeitet werden. Die IT-Systeme müssen Skalierungsmöglichkeiten bereitstellen.

Integration zentraler Methoden

Auch künftig müssen zentrale Methoden in die Be­rechnungsabläufe integriert werden können, um die Eingangsdaten gemäß den regulatorischen Vorgaben anzureichern. Beispiele hierfür sind die Sicherheitenverteilung, die Belastungsberechnung, die RWA-Berechnung, die SA-CCR Berechnung etc.

Organisation und Mitarbeitende

Perspektivisch ist eine engere organisatorische Verzahnung von Meldewesen und Gesamtbank-steuerung erforderlich.

Die Datenanalysekompetenz bei den Mitarbeitenden im Meldewesen muss ausgebaut werden.

Mehrwerte

Banken, die ihren Datenschatz nutzen, können Mehrwerte für sich heben: Analysemöglichkeiten, KPIs, einfacher Zugriff auf die Daten, Unterstützung von BI-Lösungen, Management Dashboards, ein­faches Reporting, automatisierte Prozesse oder die Nutzung der Daten für KI-Auswertungen.

Synergien

Institute, die IReF als Chance sehen, ihre Finanz­architektur für Meldewesen und Risikomanagement strategisch neu auszurichten, profitieren von einer besseren Steuerungsfähigkeit, höherer Flexibilität und niedrigeren Weiterentwicklungskosten.

Unsere Handlungsempfehlungen für die wichtigsten Projekte und Maßnahmen für eine reibungslose Umsetzung von IReF

Um die oben genannten Herausforderungen zu meistern, bedarf es einer Kombination von IT-Modernisierung, Prozessanpassungen und Kompetenzaufbau in der Organisation. Nachfolgend haben wir die hierfür aus unserer Sicht wichtigsten Projekte, Projektziele und Maßnahmen aufgeführt.

IReF wird kommen, Banken sollten nicht abwarten, sondern die gewonnene Zeit nutzen und bereits jetzt handeln, um die mit IReF und IRS verbundenen Herausforderungen proaktiv anzugehen.

Darstellung wichtigster Projekte und Maßnahmen für IReF-Umsetzung

Abbildung 2: Die wichtigsten Projekte und Maßnahmen für die IReF-Umsetzung

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Das Projekt zur IT-Modernisierung stellt sicher, dass die IT-Systeme in der Lage sind, die neuen Berichtspflichten nach IReF effizient und skalierbar zu unterstützen. Hierzu sind folgende Maßnahmen erforderlich:

Datenintegration: Aufbau einer zentralisierten Datenplattform, die verschie­dene Datenquellen und Systeme nahtlos verbindet, um Berichtsanforderungen performant zu erfüllen.

Automatisierung: Investitionen in Technologien zur Automatisierung des Berichtswesens und der Datenanalyse, um manuelle Pro­zesse zu reduzieren und die Datenqualität zu verbessern.

Cloud-Lösungen: Prüfen, ob Cloud-Technologien sinnvoll eingesetzt werden können, um Flexibilität und Kosteneffizienz bei der Spei­cherung und Verarbeitung von Daten zu erhöhen.

Erweiterbar- und Integrierbarkeit: Investition in eine IT-Landschaft, die leicht zu erweitern ist und in die sich beispielsweise zentrale Methoden leicht integrieren lassen.

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Das Projekt zur Verbesserung der Datenqualität- und Datenkonsistenz stellt sicher, dass eine konsis­tente und vollständige Datenbasis bereitsteht, die den neuen Anforderungen gerecht wird. Hierzu gehören folgende Maßnahmen:

Datenvalidierung: Die Implementierung strengerer Datenprüfungen und Va­lidierungstools, um sicherzustellen, dass alle Meldedaten korrekt und vollständig sind.

Data Governance und Data Lineage: Etablieren klarer Richtlinien für die Datenverwaltung und -verantwortlichkeiten, um konsistente Standards in der gesamten Bank zu gewährleisten und Transparenz über die Daten zu sicherzustellen.

Datenkonsolidierung: Harmonisierung unterschiedlicher Datenquellen und Si­cherstellen einer einheitlichen Datenbasis für Berichte an die Aufsichtsbehörden.

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Das Projekt zur Schulung und zum Kompetenzaufbau bereitet die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Meldewesen, IT und Risikomanagement auf die neuen Anforderungen vor. Hierzu sind folgende Maßnahmen erforderlich:

Mitarbeiterschulungen: Die Durchführung gezielter Schulungen für diejenigen, die für die Datenerfassung, -analyse und -übermittlung zuständig sind, um sicherzustellen, dass alle die Anforderungen vom IReF und die damit verbundenen Prozesse verstehen. Insbesondere muss das IReF-Datenmodell bekannt sein.

Expertiseaufbau: Die Förderung von Spezialwissen im Bereich regulatori­schen Reportings und Datenmanagement durch gezielte Weiterbildung und externe Unterstützung. Hier müssen ins­besondere die Skills zur Datenanalyse ausgebaut werden.

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Das Projekt zur Harmonisierung der Berichtsprozes­se hat das Ziel, alle Berichtsprozesse zu vereinheit­lichen und zentral zu steuern, um eine konsistente Datenlieferung für verschiedene Berichtspflichten sicherzustellen. Dies kann durch folgende Maßnah­men erreicht werden:

Einheitliches Reporting-Framework: Die Implementierung eines integrierten Berichtsrahmens, der sowohl statistische als auch regulatorische Berichte abdeckt. Dazu gehört auch, dass Silos abgeschafft werden sollten.

Risikomanagementberichte integrieren: Risikodaten müssen stärker in das allgemeine Reporting eingebunden werden, um den wachsenden Anforderun­gen an das Risikomanagement und die Transparenz ge­recht zu werden.

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Ein Pilotprojekt zur Implementierung von IReF-Prozessen hat zum Ziel, dass bereits frühzeitig die neuen IReF-konformen Berichtsprozesse in einer kontrollierten Umgebung getestet und weiterentwickelt werden können. Dies umfasst folgende Vorgehensweise:

Testphase: Einrichten einer Testphase, um die neuen Prozesse zu er­proben, bevor sie vollständig implementiert werden.

Feedbackschleifen: Regelmäßige Evaluierung und Anpassung der Prozesse auf Basis von Feedback der Aufsichtsbehörden und Erfah­rungen der internen Stakeholder.

Mit diesen Handlungsempfehlungen und dem frühzeitigen Beginn werden Banken die Umstellung auf IReF meistern und von einer effizienten Berichterstattung langfristig profitieren.