Die strategische Asset Allokation bildet das Fundament einer stabilen und zukunftsorientierten Kapitalanlage. Gerade im aktuellen Marktumfeld – geprägt von Volatilität, verschärften regulatorischen Anforderungen und veränderten Kapitalmarktrenditen – gewinnt sie weiter an Bedeutung. Mit der Einführung von CRR III ergeben sich neue Herausforderungen, aber auch Chancen: Insbesondere die gezielte Beimischung illiquider Anlagen kann helfen, Ertrag, Risiko und regulatorische Effizienz besser auszubalancieren.
Simon Feyen, msg for banking, diskutiert mit Dr. Lorenz Huber und Bernhard Birgmann von Golding Capital Partners darüber, welche Möglichkeiten sich daraus ergeben.
Die strategische Asset Allokation als Fundament einer stabilen und zukunftsorientierten Kapitalanlage
Simon Feyen: Golding Capital Partners hat im März eine Studie zur strategischen Asset Allokation veröffentlicht, die die Rolle von Privatmarktanlagen untersucht. Was war der Anlass dafür?

Dr. Lorenz Huber: Als Asset Manager mit langjährigem Fokus auf Privatmarktanlagen erleben wir im Austausch mit Banken, Versicherungen und Versorgungswerken immer wieder Unsicherheiten bei der Integration dieser Anlageklassen. Es fehlt oft an belastbaren Daten und an Erfahrung bei der systemischen Abbildung. Mit dem Inkrafttreten von CRR III rückt zusätzlich die Kapitalbelastung stärker in den Fokus.
Die besondere Stärke von Golding Capital Partners liegt in der Kombination von Investmentexpertise in Buy-out, Infrastruktur und Private Credit sowie tiefem regulatorischen Know-how.
Um diese Fragen praxisnah und anschlussfähig zu adressieren, haben wir gemeinsam mit Instituten ein SAA-Modell entwickelt.
Privatmarktanlagen stärken die Portfolioeffizienz, sowohl aus ökonomischer als auch aus regulatorischer Perspektive."
Dr. Lorenz HuberManager Risk & Regulatory Analytics bei Golding Capital Partners
Simon Feyen: Was sind die zentralen Erkenntnisse Ihrer Studie?
Dr. Lorenz Huber: Privatmarktanlagen stärken die Portfolioeffizienz, sowohl aus ökonomischer als auch aus regulatorischer Perspektive. Sie bieten ein attraktives Rendite-Risiko-Profil, reduzieren die Volatilität im Gesamtportfolio und zeigen sich gerade in Krisenzeiten stabil. Selbst unter konservativen Annahmen führen sie zu einer effizienteren Portfoliostruktur.
Unsere Modellierungen belegen, dass Privatmarktanlagen auch unter Berücksichtigung der Kapitalanforderungen ihren hohen strategischen Wert für Institute behalten. Trotz Illiquidität sind sie für langfristig agierende Institute gut planbar.
Simon Feyen: Wie sind Sie methodisch vorgegangen, und welche Daten bilden die Grundlage Ihrer Studie?
Dr. Lorenz Huber: Unser Anspruch war ein Modell, das wissenschaftlich fundiert ist und sich gleichzeitig eng an der Praxis orientiert. Somit haben wir ein erweitertes Markowitz-Modell verwendet, kombiniert mit einer breiten, konsistenten Datenbasis historischer Kapitalmarktentwicklungen. Dabei berücksichtigten wir ausschließlich Assetklassen mit transparenten Indizes.
Um die regulatorische Perspektive realistisch abzubilden, haben wir zusätzlich Annahmen zu Kapitalanforderungen nach CRR III beziehungsweise Basel IV integriert.
Darüber hinaus haben wir Prognosewerte und Szenarioanalysen einbezogen, um zu simulieren, wie sich unterschiedliche Marktphasen und realistische Allokationsentscheidungen auf die Zielerreichung auswirken würden. Unser Ansatz ist methodisch solide und zugleich praxistauglich.
Wir sehen die aktuelle Marktsituation nicht als Hürde, sondern als Chance, die Allokation zukunftsfest aufzustellen."
Dr. Lorenz HuberManager Risk & Regulatory Analytics bei Golding Capital Partners
Simon Feyen: Angesichts der hohen Volatilität: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um sich mit Privatmarktanlagen zu beschäftigen?
Dr. Lorenz Huber: Ja, gerade jetzt! Viele Investoren stehen an einem Wendepunkt: Die lange Phase extrem niedriger Zinsen ist vorbei, gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen, und die Märkte bleiben volatil. Das schafft Unsicherheit, aber auch die Notwendigkeit, bestehende Allokationen neu zu denken.
Der Trend zu Privatmarktanlagen hat in der Nullzinsphase begonnen. Viele Institute und Asset Manager verfügen inzwischen über fundierte Erfahrung, um auch illiquide Assets richtig abbilden zu können. In dieser neuen Realität bieten Private Markets besondere Stärken: geringere Anfälligkeit für kurzfristige Schwankungen, stetigere Erträge und Zugang zu nicht börsennotierten Unternehmen.
Wir sehen die aktuelle Marktsituation nicht als Hürde, sondern als Chance, die Allokation zukunftsfest aufzustellen – mit einem bewusst gewählten Anteil an illiquiden, stabilisierenden Anlagen. Zudem bietet die heutige Systemlandschaft bei Banken und Sparkassen die nötige technische Unterstützung. Ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Umsetzung illiquider Allokationen.
Illiquidität ist kein Nachteil, sondern kann Schutz bieten."
Bernhard BirgmannManaging Director bei Golding Capital Partners
Simon Feyen: Für Finanzinstitute ist häufig das Limitsystem eine Herausforderung, sprich im Ernstfall auch kurzfristig agieren zu können. Wie wirkt sich die eingeschränkte Liquidität von Private Markets auf die Portfoliosteuerung aus?

Bernhard Birgmann: Illiquidität ist kein Nachteil, sondern kann Schutz bieten: Gerade in stressbedingten Marktphasen – wie zuletzt auf dem deutschen Immobilienmarkt – verhindern geschlossene Fondsstrukturen Panikverkäufe und hohe Abschläge. Wer dennoch Liquidität benötigt, kann Investments selektiv über den Sekundärmarkt verkaufen. Das erfordert aber Expertise und ein belastbares Netzwerk.
Unsere Empfehlung ist es, Privatmarktanlagen als strategischen Kernbestandteil zu verstehen, mit klaren Allokations- und Liquiditätsplänen. Die im Rahmen der strategischen Asset Allokation ermittelten Quoten sollten dieses Ziel konsequent unterstützen.
Unser Ziel ist es, illiquide Assets standardisiert und effizient in die Meldewesen- und Risikomanagementsysteme zu integrieren."
Bernhard BirgmannManaging Director bei Golding Capital Partners
Simon Feyen: Für viele Kreditinstitute ist die Abbildung illiquider Assets in den Risikomanagementsystemen eine große Herausforderung. Sie behandeln in Ihrer Studie die verschiedenen Herausforderungen, wie Datenverfügbarkeit und Transparenz. Wo sehen Sie die größten Hürden für institutionelle Investoren, und wie kann man diese beseitigen?
Bernhard Birgmann: Eine der größten Herausforderungen sind die fragmentierten Daten, verbunden mit fehlender Vergleichbarkeit und geringen Standards in der Verwaltungspraxis. Diese Faktoren erschweren die Integration illiquider Assets bei Abbildung und Risikomanagement. Gerade für mittelständische Institute stellt dies häufig eine Einstiegshürde dar.
Um unsere Investoren bestmöglich zu unterstützen und Privatmarktanlagen auch für mittelständische Kreditinstitute investierbar zu machen, setzen wir seit vielen Jahren auf einen kooperativen Ansatz. Dafür arbeiten wir eng mit Banken, Sparkassen und Regionalverbänden zusammen, entwickeln Standards und liefern praxisnahe Lösungen, auch bei kurzfristig aufkommenden regulatorischen Fragestellungen. Grundlage dafür sind 25 Jahre Erfahrung und umfassende regulatorische Expertise.
Unser Ziel ist es, illiquide Assets standardisiert und effizient in die Meldewesen- und Risikomanagementsysteme zu integrieren. Unterstützt werden wir dabei durch unser breites Netzwerk von nahezu 100 Bankinvestoren und einem engen Austausch mit zahlreichen Branchenvertretern. Erkenntnisse aus dieser Zusammenarbeit fließen kontinuierlich in die Gestaltung und Weiterentwicklung unserer Anlageprogramme ein, um diese noch gezielter auf die Bedürfnisse von Bankinvestoren auszurichten.
Simon Feyen: Über welche Investitionsgrößen sprechen wir, ab denen ein Investment aus Ihrer Sicht sinnvoll ist?
Bernhard Birgmann: Unserer Erfahrung nach ist weniger die Einzelzeichnung entscheidend, sondern die Definition einer langfristigen Zielquote innerhalb der SAA. Dieser Ansatz ermöglicht eine kontinuierliche Diversifikation über verschiedene Jahrgänge und Marktzyklen hinweg sowie eine konstante Allokation in den alternativen Investments.
Viele unserer Anleger, darunter zahlreiche Banken und Sparkassen, verfolgen diesen Weg bereits seit vielen Jahren. Sie investieren regelmäßig in verschiedene Fondsgenerationen und haben dadurch eine breit gestreute Privatmarkt-Allokation in Private Equity, Infrastruktur und Private Credit aufgebaut. Teilweise erreichen Institute dabei Allokationsquoten von 10 bis 15 % ihres Depot-A-Volumens und erzielen damit signifikante Beiträge zum Geschäftserfolg.
Einzelinvestitionen sind bei Golding ab fünf Millionen Euro möglich. In der Praxis zeichnen mittelständische Kreditinstitute in ein Anlageprogramm üblicherweise zwischen zehn und 15 Millionen Euro.
Simon Feyen: Abschließend gefragt: Was ist aus Ihrer Sicht der wichtigste Erfolgsfaktor für eine zukunftsfähige strategische Asset Allokation?
Dr. Lorenz Huber: Entscheidend ist ein ganzheitlicher Blick: Wer Privatmarktanlagen wie Private Equity, Infrastruktur und Private Credit gezielt in seine SAA integriert, kann nicht nur die Rendite-Risiko-Profile verbessern, sondern auch die regulatorische Effizienz seines Portfolios steigern.
Unsere Studie zeigt, dass alternative Investments – richtig eingesetzt – Stabilität, Diversifikation und langfristiges Wachstumspotenzial in einer zu- nehmend volatilen Marktumgebung bieten. Gerade in Zeiten strukturellen Wandels und wachsender Anforderungen ist es wichtig, bewährte Ansätze regelmäßig zu hinterfragen und strategische Spielräume konsequent zu nutzen.
Simon Feyen: Wo kann der interessierte Leser die vollständige Studie beziehen?
Dr. Lorenz Huber: Die vollständige Studie „Privatmarktanlagen in der SAA. Stabilität und Rendite im aktuellen Marktumfeld“ steht auf unserer Website kostenfrei zum Download zur Verfügung.
Dort finden sich auch weitere Informationen und Ansprechpartner für den persönlichen Austausch.
Interviewpartner und Unternehmen
| Dr. Lorenz Huber ist Manager Risk & Regulatory Analytics bei Golding Capital Partners. Er ist unter anderem zuständig für das aufsichtsrechtliche Berichtswesen für Banken und Versicherungen und die Weiterentwicklung von Risikomodellen.Dr. Lorenz Huber ist Co-Autor der im März 2025 veröffentlichten Golding-SAA-Studie. | Bernhard Birgmann ist Managing Director bei Golding Capital Partners und betreut institutionelle Investoren aus dem Sparkassen-, Banken- und Kirchenbereich in Deutschland und Österreich. Der ausgebildete Bankkaufmann und Finanzanalyst (CEFA/CIIA) verfügt über mehr als 25 Jahre Kapitalmarkterfahrung im Portfoliomanagement und Vertrieb. |
Golding Capital Partners ist einer der führenden unabhängigen Asset-Manager für alternative Investments in Europa. Mit rund 15 Milliarden Euro Assets under Management und einem internationalen Team an fünf Standorten unterstützt Golding institutionelle Anleger beim strategischen Aufbau von Private-Equity-, Infrastruktur-, Private-Credit-, Secondaries- und Impact-Programmen. Über 230 Investoren – darunter Banken, Versicherungen und Versorgungseinrichtungen – vertrauen auf die langjährige Expertise von Golding Capital Partners.
