Fachartikel

Neuerungen im LSI-Stresstest 2026

Fachliche Einordnung, regulatorische Anforderungen und zeitliche Implikationen aus der Probeerhebung

NEWS 01/2026

Der LSI-Stresstest 2026 wird gemäß dem turnusmäßigen Zweijahresrhythmus dieses Jahr erneut für die deutschen Kreditinstitute durchgeführt. Ziel der Erhebung ist es, die Ertragslage sowie die Kapitalentwicklung der Less Significant Institutions (LSI) unter Basis- und Stressbedingungen über einen mehrjährigen Betrachtungshorizont hinweg zu analysieren.
08.04.26
Aufsichtsrecht
Neuerungen im LSI-Stresstest 2026

Bedeutung des LSI-Stresstests 2026 und Relevanz für die Institute

Gemäß dem turnusmäßigen Zweijahresrhythmus wir der LSI-Stresstest 2026 dieses Jahr erneut für die deutschen Kreditinstitute durchgeführt. erneut der LSI-Stresstest für die deutschen Kreditinstitute durchgeführt. Ziel der Erhebung ist es, die Ertragslage sowie die Kapitalentwicklung der Less Significant Institutions (LSI) unter Basis- und Stressbedingungen über einen mehrjährigen Betrachtungshorizont hinweg zu analysieren.

Der LSI-Stresstest 2026 gliedert sich dabei in zwei eng miteinander verzahnte Bausteine: einen Umfrageteil, der auf der institutseigenen Planung basiert, sowie einen standardisierten Stresstestteil zur Simulation adverser Entwicklungen. Als Datengrundlage dient der Jahresabschluss 2025.

Der LSI-Stresstest 2026 ist ein zentraler Bestandteil der aufsichtlichen Überprüfung von LSIs und dient der normativen Beurteilung ihrer nachhaltigen Ertragskraft sowie ihrer Widerstandsfähigkeit gegenüber ungünstigen makroökonomischen und finanziellen Rahmenbedingungen. Als wesentliches Instrument im aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) haben die Ergebnisse des Stresstests unmittelbare Wirkung auf die Kapitalanforderungen der Institute, da sie maßgeblich in die Ableitung der Säule-2-Guidance (P2G) durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einfließen.

Vor dem Hintergrund einer anhaltend hohen makroökonomischen Unsicherheit, struktureller Veränderungen im Zinsumfeld sowie zunehmender Volatilitäten an den Kapitalmärkten gewinnt der LSI-Stresstest in diesem Jahr weiter an Bedeutung.

Während frühere Erhebungen auch auf qualitative Beurteilungen und langfristige Einschätzungen abstellten, ist im LSI-Stresstest 2026 eine klare Fokussierung auf quantitativ belastbare, konsistente und institutsübergreifend vergleichbare Daten zu erkennen.

Gleichzeitig wird die aufsichtsrechtliche Tendenz zu einer stärkeren Berücksichtigung des Proportionalitätsgedankens deutlich, insbesondere im Hinblick auf kleine und nicht komplexe Institute (SNCI), für die gezielte Vereinfachungen vorgesehen sind. Indem aufsichtliche Daten aus dem Meldewesen vorbefüllt werden, sinkt der operative Befüllungsaufwand für alle Institute; gleichzeitig steigt jedoch die Erwartung an eine sorgfältige Validierung dieser Werte.

Grundsätzliche Vorgehensweise: Umfrage und Stresstest

Im Umfrageteil steht das dynamische, institutsspezifische Szenario aus der Kapitalplanung im Mittelpunkt. Es dient als Vergleichsbasis für die anschließenden Szenarioanalysen der Institute. Erstmals erfolgt die Betrachtung über einen dreijährigen Zeitraum von 2026 bis 2028, was weitere operative Erleichterung für die Institute verspricht.

Ergänzend werden drei standardisierte Zinsszenarien auf eine statische Bilanz angewendet:

  • ein Parallel-up-Schock von +200 Basispunkten,
  • ein Parallel-down-Schock von –100 Basispunkten sowie
  • ein konstantes Zinsszenario.

Diese Kombination erlaubt es der Aufsicht, sowohl die Robustheit der strategischen Planung als auch die Sensitivität gegenüber kurzfristigen Zinsänderungen zu analysieren.

Ein besonderer Fokus liegt auf dem Nettozinsergebnis als zentralem Ergebnistreiber der meisten LSIs. Die Gegenüberstellung der dynamischen Planung mit den Ergebnissen aus den starren Zinsschocks liefert wichtige Erkenntnisse zur Stabilität der Zinsmarge, zur Fristentransformation und zur Fähigkeit der Institute, Zinsänderungsrisiken auch in Stressphasen zu tragen.

Der Stresstestteil simuliert parallel dazu ein Basis- und ein Stressszenario über denselben Dreijahreshorizont unter der Annahme einer statischen Bilanz. Er umfasst die wesentlichen Risikoarten Zinsergebnis, Adressrisiko und Marktrisiko und wird im LSI-Stresstest 2026 erstmals um die verlustfreie Bewertung des Bankbuchs nach BFA 3 ergänzt. Zentrale Steuerungsgröße ist dabei die Entwicklung der harten Kernkapitalquote (CET1), deren Belastung im Stressfall maßgeblich für die Ableitung der P2G im Rahmen der Eigenmittelempfehlung herangezogen wird.

Die Methodik ist weitgehend standardisiert und folgt in ihrer Grundlogik der Vorgehensweise der vergangenen LSI-Stresstests. Die Ermittlung der Stressergebnisse erfolgt auf Basis aufsichtlicher, einheitlich vorgegebener Parameter. Nicht stressrelevante Positionen – wie etwa Verwaltungs- und Sachaufwendungen – werden zunächst im Basisszenario anhand historischer Werte fortgeschrieben; im Stressszenario wird die Stressauswirkung über vordefinierte Abschläge abgebildet. Die Anwendung einheitlicher Szenarien erhöht die Vergleichbarkeit zwischen den Instituten und gewährleistet ein konsistentes, aufsichtlich abgestimmtes Bewertungsraster.

Änderungen gegenüber dem LSI-Stresstest 2024

Der LSI-Stresstest 2026 bringt im Vergleich zur Erhebung 2024 eine Reihe operativer Neuerungen mit sich, die insgesamt auf eine Vereinfachung der Prozesse, eine höhere Datenqualität und eine verbesserte Proportionalität abzielen.

Im Umfrageteil wurde die Anzahl der Zinsszenarien von fünf auf drei reduziert. Die Szenarien „Drehung der Zinsstrukturkurve“ und „gradueller Zinsanstieg“ entfallen, wodurch der Berechnungsaufwand deutlich sinkt.

Gleichzeitig wurde der Planungshorizont von fünf auf drei Jahre verkürzt. Diese Anpassung berücksichtigt, dass langfristige Prognosen naturgemäß mit höherer Unsicherheit verbunden sind, und verbessert die Aussagekraft der gemeldeten Daten. Der angestrebte Wegfall der qualitativen Fragen unterstreicht die klare Ausrichtung auf einen zahlenbasierten Stresstest. Zusätzliche Detailinformationen, etwa zur Aufsplittung des Strukturbeitrags, wurden gestrichen.

Im Stresstestteil bleibt die grundlegende Methodik erhalten. Sie wurde jedoch in einigen Punkten präzisiert.

  • Im GuV-Kapital wurde die Berechnung der Kursreserven korrigiert und um sonstige, nicht zuordenbare Positionen ergänzt, während einzelne Positionen zur Vermeidung von Inkonsistenzen zum Marktrisiko entfallen sind. Die Konsistenz zwischen Umfrage- und Stresstestdaten wird weiterhin durch Data-Quality-Checks sichergestellt.
  • Das Zinsergebnis bleibt im Wesentlichen unverändert. Lediglich geringfügige Ergänzungen wurden vorgenommen, wie die Auswahlmöglichkeit zur Mindestreservehaltung (direkt/indirekt) sowie die Auswahl zur Anpassung der Position „Sonstiges Zinsergebnis“ ( ja/nein).
  • Im Adressrisiko wurde die Anzahl der zu erhebenden Datenpunkte reduziert; darunter entfallen auch einzelne Positionen, die bislang primär der Qualitätssicherung dienten. Das außerbilanzielle Volumen ist künftig nur noch optional anzugeben. Darüber hinaus wurden methodische Unschärfen bereinigt, insbesondere bei Instituten, deren Gegenparteiausfallrisiko-RWA1 (GPA-RWA) unter 1 % der gesamten risikogewichteten Aktiva (TREA2) liegen.
  • Auch im Marktrisiko wurden Klarstellungen vor- genommen, etwa zur proportionalen Durchschau von Fonds und zur Umlegung von Kursreserven. Die bisher verwendete statistische Methode wurde durch eine Kalibrierung ersetzt, die sich am gewichteten Durchschnittsrating des Portfolios sowie am Anteil von Staatsanleihen orientiert. Ergänzend können Institute optional detailliertere Informationen zum Depot A melden.
  • Eine wesentliche Neuerung stellt der eigenständige BFA-3-Bogen Die GuV-Wirkung wird hierbei bewusst konservativ angesetzt, indem ausschließlich negative Effekte aus neuen oder erhöhten Drohverlustrückstellungen berücksichtigt werden. Positive Barwerteffekte können Abschreibungen nur begrenzt kompensieren. Die Nutzung bereits gemeldeter IRRBB-Daten erhöht die Umsetzbarkeit, während Fallback-Lösungen bei Datenlücken vorgesehen sind.

Zusätzlich wurden neue Farbkennzeichnungen im Bogen eingeführt, um die Orientierung bei der Befüllung zu erleichtern: Orange hinterlegte Zellen markieren aufsichtlich vorbefüllte Werte, während rosa Felder für freiwillige Angaben vorgesehen sind.

Eine wesentliche Erleichterung des LSI-Stresstests 2026 ist die Einführung einer Proportionalitätslösung für SNCI gemäß CRR. Rund 500 Institute können dadurch von der vollständigen Befüllung der Risikobögen befreit werden. Die Prüfung der Voraussetzungen – insbesondere SNCI-Status und Bilanzsumme – erfolgt automatisiert im Tabellenblatt „A2 ST-Befreiung RK“. Auch künftig besteht für alle Institute die Möglichkeit, sich von ausgewählten Risikobetrachtungen teilweise zu befreien, wodurch der Erfassungsaufwand gezielt reduziert werden kann.

Die Risikokalibrierung für Proportionalitätslösung und Befreiungslösung soll weitestgehend einheitlich erfolgen und ist in der Regel konservativer als die vollständige Befüllung der Erhebungsbögen.

Regulatorischer Zeitplan und Phasen des LSI-Stresstests 2026

Der LSI-Stresstest 2026 folgt einem eng getakteten und verbindlichen Zeitplan. Die operative Befüllung der Erhebungsbögen beginnt im April 2026, während erste Testläufe und systemische Prüfungen bereits im ersten Quartal erfolgen können. Die finalen Unterlagen sind spätestens bis zum 29. Mai 2026 an die Aufsicht zu übermitteln. Damit fällt die Bearbeitungsphase von April bis Mai in eine Zeit, in der parallel vierteljährliche Risikoberichte sowie weitere Quartals- und Jahrestätigkeiten anstehen, was die operative Planung und Ressourcenzuweisung der Institute besonders fordert.

Zwischen Anfang Juni und Ende Juli 2026 führt die Aufsicht umfassende Datenqualitätsprüfungen durch, in deren Rahmen Validierungsfehler zu korrigieren und Warnhinweise zu kommentieren sind. Darauf aufbauend schließt sich die Benchmarking- Phase von Ende Juli bis Anfang September 2026 an, in der Peer-Group-Vergleiche vorgenommen und auffällige Abweichungen analysiert werden.

Fazit

Die stärkere Gewichtung quantitativer Daten und die Vorbefüllung rücken die Qualität und Konsistenz der gemeldeten Zahlenwerke stärker denn je in den Fokus. Institute sind gefordert, ihre Planungs-, Risiko- und Meldewesenprozesse eng miteinander zu verzahnen.

Mit der Einführung der Proportionalitätslösung, der Vorbefüllung sowie den Klarstellungen in einzelnen Risikobögen verfolgt die Aufsicht das Ziel, den operativen Umsetzungsaufwand für die Institute spür- bar zu reduzieren. Die Herausforderungen liegen damit mehr auf der fachlichen Modellierung der einzelnen Risikomodule.

Angesichts der Bedeutung des Stresstests für die Ableitung der P2G empfiehlt sich daher eine frühzeitige, strukturierte und interdisziplinäre Vorbereitung. Der LSI-Stresstest 2026 ist damit weit mehr als eine regulatorische Pflichtübung. Er stellt ein zentrales Steuerungsinstrument dar, das Risiken transparent macht und Handlungsbedarfe aufzeigt.

Fußnoten
  1. 1RWA = Risk Weighted Assets, risikogewichtete Aktiva.
  2. 2TREA = Total Risk Exposure Amount, Gesamtrisikobetrag.