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CRR III – Anforderungen erfüllen und Chancen nutzen am Beispiel der RWA-Simulation

NEWS 03/2025

Die EU-Verordnung Capital Requirements Regulation III (CRR III) gestaltet die Eigenkapitalanforderungen für Banken in der EU strenger und risikosensitiver. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors zu stärken, die Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen zu verbessern und die Transparenz zu erhöhen. Ein zentraler Aspekt der CRR III ist die Überarbeitung der Berechnung der risikogewichteten Aktiva (Risk Weighted Assets, RWA). Daraus ergeben sich Chancen für die Institute.
08.12.25
Aufsichtsrecht, Banksteuerung, Risikomanagement
CRR III – Anforderungen erfüllen und Chancen nutzen am Beispiel der RWA-Simulation

Wichtige Änderungen der CRR III in Bezug auf die Berechnung der RWA

Die Capital Requirements Regulation III (CRR III) markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Umsetzung der finalen Basel-III-Reformen innerhalb der Europäischen Union. Ziel ist es, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors zu stärken, die Vergleichbarkeit der Kapitalanforderungen zu verbessern und die Transparenz zu erhöhen. Ein zentraler Aspekt der CRR III ist die Überarbeitung der Berechnung der risikogewichteten Aktiva (Risk Weighted Assets, RWA).

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Kreditrisiko: Neuerungen im Standardansatz (KSA)

Erhöhte Risikosensitivität: Differenzierte Risikogewichte basierend auf Bonität und Be­sicherung.

Immobilienfinanzierungen: Neue Risikogewichte für Wohn- und Gewerbeimmobilien, ab­hängig vom Beleihungsauslauf.

Forderungen gegenüber Kre­ditinstituten: Risikogewichte orientieren sich an Bonität und Laufzeit.

Spezialfinanzierungen: Spezifi­sche Risikogewichte für Projekt- und Objektfinanzierungen.

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Interner ratingbasierter Ansatz (IRBA)

Einführung des „Permanent Partial Use“.

Verpflichtende Berechnung des Output Floors parallel zum IRB-Modell.

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Output Floor: Begrenzung der Modellvorteile

Definition: RWA aus internen Modellen dürfen nicht unter 72,5 % der RWA nach Stan­dardansatz liegen.

Ziel: Begrenzung von Modell­risiken und Sicherstellung einer Mindestkapitalunter­legung.

Diese Neuerungen erfordern eine umfassende Anpassung interner Modelle und Strategien. Besonders betroffen sind die Bereiche Meldewesen, Risikocontrolling und Treasury.

Veränderte Zusammenarbeit zwischen Meldewesen, Risikocontrolling und Treasury

Die Aufsicht fordert eine konsistente und abgestimmte Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Meldewesen, Risikocontrolling und Treasury. Diese Konsistenz ist ent­scheidend, um Risiken frühzeitig zu erkennen, gezielt zu steuern und die Effizienz der Prozesse und Abläufe nach­haltig zu verbessern.

Ein proaktives Risikomanagement bedeutet, regulatori­sche und methodische Veränderungen bereits vor ihrem Inkrafttreten zu antizipieren. Dadurch können strategische Überlegungen sowie Szenariorechnungen frühzeitig ange­stoßen und fundierte Entscheidungen getroffen werden.

Szenariorechnungen zählen zu den Kernaufgaben des Risi­kocontrollings. Die Herausforderung besteht darin, die ver­änderte RWA-Berechnung mit zeitlichem Vorlauf und für Szenariorechnungen unabhängig vom laufenden Melde­wesenprozess bereitzustellen. msg for banking hat hierfür Anfang 2024 eine neue Komponente zur RWA-Berechnung entwickelt und interessierten Instituten zur Verfügung ge­stellt. Diese ermöglichte Vergleichsrechnungen zwischen der bisherigen und der neuen Berechnungsmethodik. Auf Basis dieser Analysen konnten bereits frühzeitig strategi­sche Maßnahmen, etwa zur Portfolioumschichtung oder zur Einführung eines IRB-Partial-Use, initiiert werden.

RWA-Berechnung als Steuerungsinstrument

Die neue RWA-Berechnung ist mittlerweile in den Mel­dewesenprozess integriert und wird dort produktiv eingesetzt. Dennoch bleibt eine separate, technisch un­abhängige Bereitstellung der RWA-Daten essenziell, um eine proaktive und strategisch fundierte Steuerung zu ermöglichen.

So benötigt das Treasury beispielsweise frühzeitig In­formationen darüber, wie sich die RWA-Situation durch den Abschluss eines Neugeschäfts verändert. Das Risiko­controlling wiederum muss die Entwicklung der RWA in Vorschaurechnungen und Planungsprozesse einbeziehen. Auch bei strategischen Portfolioanpassungen oder für eine Entscheidung zur Einführung eines IRB-Partial-Use auf Teilportfolios sind belastbare Aussagen zu den Auswir­kungen auf die RWA unverzichtbar.

Die Lösung liegt in der Nutzung einer flexibel einsetz­baren Komponente zur RWA-Simulation. Hierfür hat msg for banking die Komponente RWA-Simulation entwi­ckelt. Sie ermöglicht eine unabhängige und zeitnahe Ana­lyse der Auswirkungen regulatorischer und geschäftlicher Veränderungen auf die Risikopositionen.

Funktionsweise und Einsatz der RWA-Simulation

Die RWA-Simulation ist eine neue Softwarekomponente aus der Produktfamilie msg.ORRP (Open Risk and Repor­ting Platform), die sowohl für das Meldewesen als auch für das Risikocontrolling und das Treasury nutzbar ist und deutlich über die klassische Meldewesensicht hinausgeht.

Die Komponente RWA-Simulation ermittelt auf Basis an-gelieferter Bankdaten sowie definierter Stressszenarien eine Vorschau der RWA-Kennzahlen, also der Risk Weighted Assets, für aktuelle und zukünftige Zeitpunkte gemäß den Vorgaben der CRR III.

Dabei werden die übermittelten Geschäfte und Sicherhei­ten unter Berücksichtigung der in den Sicherheitsnetzen hinterlegten Beziehungen konsolidiert und dem RWA-Rechenkern zugeführt. Dieser berechnet für jeden Vor­schautag und jedes Sicherheitsnetz die relevanten RWA-Kennzahlen. Die Berechnung erfolgt regelkonform nach den Vorschriften der CRR III und kann – abhängig vom aufsichtsrechtlichen Modellansatz – entweder nach dem Kreditrisikostandardansatz (KSA) oder auf Basis interner Ratings (IRBA) durchgeführt werden.

Unbesicherte Geschäfte werden in einem synthetischen Sicherheitsnetz verarbeitet, um eine einheitliche Aus­gabestruktur für besicherte und unbesicherte Positionen sicherzustellen.

Darüber hinaus erlaubt die RWA-Simulation das Einlesen synthetischer Portfolios. Diese können entweder separat simuliert oder als Ergänzung zum bestehenden Portfolio verwendet werden. Die Komponente unterstützt die Simu­lation mehrerer Bestände – etwa auf Ebene der Gesamt­bank und des Konzerns – als eigenständige Portfolios.

Für Risikopositionen, die im Stresshorizont ausfallen, er­folgt eine separate Berechnung der RWA und des Expec­ted Loss (EL) gemäß den CRR-Vorgaben für ausgefallene Positionen.

CRR III, RWA-Simulation, Fachprozess

Abbildung 2: Fachprozess RWA-Simulation

Die Berechnung der RWA erfolgt in der Simulationskomponente mit der identischen Berechnungskomponente wie im Mel­dewesen, wodurch Ergebnisidentität und Datenkonsistenz gewährleistet sind.

Zusätzlich ermöglicht ein integrierter Szena­riomanager die Modifikation von Parametern und Geschäftsbeständen, um deren Auswirkungen gezielt zu analysieren.

Die RWA-Simulation ist eine vom Meldewesenprozess unabhängige Softwarekomponente. Sie kann sowohl batchgesteuert als auch über ein modernes User Interface bedient werden.

Die Nutzung ist flexibel und kann durch das Meldewesen, Risikocontrolling oder Treasury erfolgen – ohne negative Auswirkungen auf die Meldewesenpro­zesse. Im Gegenteil: Der Unterstützungsaufwand für das Meldewesen wird reduziert, während gleichzeitig konsis­tente und belastbare Ergebnisse bereitgestellt werden.

CRR III, RWA simulation ORRP

Figure 3: RWA simulation ORRP

Stufenweises Vorgehen bei der Umsetzung der RWA-Simulation

Die Umsetzung der neuen RWA-Simulation erfordert ein strukturiertes und schrittweises Vorgehen, um regulato­rische Anforderungen effizient umzusetzen und gleich­zeitig eine fundierte Steuerungsbasis zu schaffen. Der fol­gende fünfstufige Prozess hat sich in der Praxis bewährt:

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Schritt 1: Vergleichsrechnung zwischen Meldungund Simulation

Zu Beginn erfolgt die Berechnung der RWA nach den Vorgaben der CRR III parallel für Meldung und Simulation. Auf dieser Basis können ein Abgleich und eine Abstimmung der Ausgangsbasis für die weiteren Schritte in der Simulation erfolgen.

Schritt 2: Szenariobasierte RWA-Berechnung

Im nächsten Schritt wird die RWA-Berechnung unter Szenarien durchgeführt. Dies ermöglicht die Bewer­tung potenzieller Veränderungen unter verschiede­nen Annahmen und Stressbedingungen.

Schritt 3: RWA-Berechnung im zeitlichen Verlauf

Die Berechnung ist auch für zukünftige Zeitpunkte möglich. Dadurch können Planungs- und Vorschau­rechnungen erstellt werden, die eine vorausschau­ende Steuerung der Kapitalanforderungen ermög­lichen.

Schritt 4: Integration strategischer Maßnahmen

Die Simulation wird um die Möglichkeit ergänzt, kon­krete Maßnahmen einzubeziehen und deren Auswir­kungen auf die RWA-Kennzahlen zu analysieren.

Schritt 5: Einbindung der Neugeschäftsplanung

Im letzten Schritt ist die Neugeschäftsplanung in die RWA-Simulation zu integrieren. So kann die Ver­änderung der RWA-Kennzahlen im Zeitverlauf unter Annahme der Neugeschäftsplanung bewertet und in die Steuerung einbezogen werden.

Umgang mit zukünftigen Änderungen in der RWA-Berechnung

Ein zentraler Vorteil der gemeinsamen technischen Archi­tektur besteht darin, dass Änderungen an der RWA-Be­rechnung künftig nur einmal implementiert werden müs­sen. Da sowohl das Meldewesen als auch die Simulation dieselbe Berechnungskomponente nutzen, wird mit jeder Auslieferung eines neuen Meldewesen-Releases automa­tisch die dazu passende korrespondierende Simulations­komponente bereitgestellt.

Diese enge Verzahnung stellt sicher, dass regulatorische Anpassungen konsistent und synchron in beiden Berei­chen berücksichtigt werden. Die Konsistenz der Ergebnis­se zwischen Meldewesen und Steuerung bleibt somit auch bei zukünftigen Änderungen gewahrt – ohne zusätzlichen Implementierungsaufwand in den einzelnen Fachberei­chen.

Technische Umsetzung auch für LCR- und NSFR-Vorschau etabliert

Die für die RWA-Simulation entwickelte technische Archi­tektur findet bereits Anwendung in weiteren Bereichen des Meldewesens – insbesondere bei der Vorschau auf die Liquiditätskennzahlen LCR (Liquidity Coverage Ratio) und NSFR (Net Stable Funding Ratio).

Auch hierbei handelt es sich um regulatorisch relevante Kennzahlen, deren Auswirkungen im Risikocontrolling und Treasury unter verschiedenen Szenarien, Maßnah­men und im Rahmen der Neugeschäftsplanung analysiert werden müssen. Aus der msg.ORRP-Produktlinie stehen hierfür die Komponenten LCR-Vorschau und NSFR-Vor­schau zur Verfügung, die eine konsistente und voraus­schauende Steuerung ermöglichen.

Diese Entwicklung zeigt deutlich: Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um eine übergreifende aufsichts­rechtliche Anforderung. Die Integration von Meldewesen­daten in die operative und strategische Steuerung wird sich künftig auf immer mehr Kennzahlen und Themen­felder ausweiten – mit dem Ziel, Transparenz, Konsistenz und Steuerungsfähigkeit über alle relevanten Risikodi­mensionen hinweg sicherzustellen.